Die Nan-Xi von Qamdo

Freitag, 08.11.2013

Hallo liebe Freunde. Ihr fragt euch sicher, wieso ich so lange keinen neuen Eintrag geschrieben habe. Dafür gibt es einen wirklich guten Grund und die Geschichte , die ich nun zu berichten habe, ich eine solche, die ich noch meinen Enkeln erzählen werde. Aber eins nach dem anderen.

Am Dienstag kam ich nach langer Fahrt endlich in Qamdo, oder chab mdo, wie es die Einheimischen nennen, an. Qamdo ist im November ein regnerischer Ort mit nur wenigen Sonnenstunden. Die trübe Atmosphäre dieser recht überschaubaren Stadt hätte mir ein erstes Indiz sein sollen und mich zu einer schnellen Weiterfahrt bewegen sollen. Aber ich blieb. Leider wolle mir Lu Xun, mein Dolmetscher der mich in Lhasa begleitet hatte, mir nicht nach Qamdo folgen. Vermutlich weil er wusste, was sich in dieser Stadt hinter verschlossenen Türen abspielt. Ohne Übersetzer war leider meine Kommunikation mit den Städtern begrenzt. Trotzdem versuchte ich von diesem Ort soviel mitzunehmen wie es nur irgendwie ging.

Als ich am Mittwoch Abend ein Teehaus nahe des zentralen Marktplatzes besuchte - übrigens ein Muss für jeden Reisenden - saß ich vor einer handgemachten Tontasse dampfenden Tees und wurde von einem kleinen Mann, mit hoher Stirn, und trügerisch funkelnden Augen angesprochen. Mein fremdländisches Aussehen muss ihn interessiert haben. Vielleicht wollte er auch nur sein Englisch auffrischen. Jedenfalls kamen wir ins Gespräch. Der kleine Mann hieß Pang Tong ( zumindest glaube ich das , denn ich habe immer noch große Probleme mit der eigentümlichen Aussprache von Namen in diesem Land). Pang erzählte, sein Vater sei Chinese. Außerdem erzählte er mir, dass sein jüngerer Bruder in Heidelberg Theologie studiert hatte. Die Welt ist wirklich klein.

Jedenfall unterhielt ich mich mit Pang sehr lange. Ich war froh über Kommunikation und Infos mit lokaler Färbung. Ich erzählte ihm von meinen Reisen und meiner Motivation. Ich erzählte ihn, dass ich Abenteuer erleben wollte. Ich erzählte zu viel. Denn daraufhin fragte mich Pang, ob ich denn nicht einem uralten Ritual beiwohnen wollte. Dies machte mich neugierig. Pang erzählte mir, er sei ein Anhänger der Nan-Xi - einer indogenen Religion die Buddhismus, Hinduismus, Christentum, Taoismus und was es sonst noch gibt, überdauert hat. Wir Europäer nehmen zu gerne an, dass jeder in Tibet Buddhist ist und vergessen dabei so oft, dass Nan-Xi mit fast 400.000 Praktizierenden die zweit größte Religion Tibets ist. Ich war also sofort Feuer und Flamme für Pangs Vorschlag. Es muss gegen 11 Uhr nachts gewesen sein, als wir das Teehaus verliesen. Es war eine wolkige Nacht und der Mond war dünn und schwach. Auch die Straßenbeleuchtung in Qamdo ist nicht besonders gut ausgeprägt. So folgte ich Pang durch die Straßen und konnte kaum bis nur nächsten Kreuzung sehen. Ich hatte mich schnell komplett verlaufen. Wir gingen wohl etwa eine halbe Stunde, als Pang vor einem Haus mit großen Rissen in der Wand Halt machte. Er wieß mich an draußen zu warten, bis er den anderen Gläubigen meine Anwesenheit erklärt hätte. Ich stand sicher zehn Minuten in der Kälte  - in Qamdo fallen die Temperaturen nachts bis auf -8 Grad - und dachte bereits, Pang hätte mich vergessen, als die Tür neben mir sich knarrend einen Spalt öffnete und Pang mich anwies, schnell einzutreten und die Tür hinter mir zu schließen. Pang folgend durchquerte ich schnell den kleinen Flur und wir kamen in einen großen Raum ohne Möbel. Der Boden war kahl und kalt. Kein Teppich, kein Laminat, kein PVC , nur blaner Beton. Etwas ein halbes Dutzend Nan-Xi-Anhänger befanden sich schon dort, gekleidet in die traditionellen Nan-Xi Gewänder: Lange, beige Roben, die bis zum Boden reichen, und mit seltsamen Zeichen überseäht sind, die weder tibetisch noch chinesich aussehen. Ihre Bedeutung konnte ich nicht herausfinden. In dieser Atmospähre traute ich mich auch nicht fragen zu stellen. Der Raum wurde nur von einer großen Kerze, in Umfang und Größe ähnlich unseren Taufkerzen, erhellt. In jeder Ecke brannte ein Räucherstäbchen. Die Nan-Xi hatten einen ernsten Gesichtsausdruck. Mir war sofort klar, dass es hier um etwas ernstes gehen würde. Dumme Fragen oder gute Laune schienen hier nicht angebracht, also stand ich still neben Pang und wartete. Wir alle waren still und warteten. Dass keiner auch nur ein Wort sagte machte mich nervös. Dies schien auf Pang aufzufallen und er lehnte sich zu mir und flüsterte, dass wir auf den Si - den Priester- warteten. Endlich ging eine Tür auf - nicht die, durch die wir gekommen waren, sondern eine weitere, die tiefer in das Gebädue führte. Ein großgewachsener, dünner Mann trat ein. Seine Gestalt war einschüchtern, denn er überragte selsbt mich an Körpergröße und seine schwarze Robe mit den roten Ornamenten ließ ihn noch größer und mysteriöser wirken. Die Kapuze seines Gewands reichte ihm bis zur Nase. Ruhig trat er ein, stellte sich neben die riesige Kerze, und alle Anwesenden verbeugten sich ihm zu. Er warf mir einen missmutigen Blick zu, doch ich vertraute auf Pang, der meine Anwesenheit ja erklärt hatte. Endlich wandte er seinen durchbohrenden Blick von mir ab und verbeugte sich ebenfalls. Was nun folgte war ein schier unendlicher, zeremonieller Gesang in einer Sprache, die ich noch nie zuvor gehört hatte. Die Stimmen der Sänger wurden in ihren Kehlköpfen produziert, hatten aber dennoch eine nasale Komponente. Der Tonus erinnerte mich an das meditöse "Om". Die Nan-Xi schienen sich durch diesen Gesang in einer Art Trance zu singen und nach einigen Minuten begannen sie auch noch sacht , alle im selben Rhythmus, mit den Körpern zu schaukeln. Der Anblick dieser Männer in Roben, der Klang dieser fremden Sprache - all dies wirkte gespenstisch. Als der Gesang abrupt endete - genau so abrupt wie er begonnen hatte - warf mir der Si einen erneuten Blick zu. Ich versuchte zu lächeln. Dann rief er mit seiner tiefen , lauten Stimme etwas in Richtung der Tür aus der er gekommen war. Etwas rumorte dort. Ich konnte Tritte und Schläge und Rufe hören, die ich nicht zuordnen konnte, bis die Tür aufsprang und zwei Männer, ebenfalls in schwarzen Roben, eintraten und mit aller Kraft einen panisch kämpfenden Ziegenbock herein  trugen. Als der Si aus seiner Robe eine Sicher zog, ahnte ich bereits schlimmes und ging vorsichtig einige Schritte zurück. Was sich gleich abspielen sollte, hätte ich nicht sehen sollen und ich sollte es eigentlich auch nicht wiedergeben. Der Vollständigkeit halber, und weil ich denke, die Welt sollte davon erfahren, werde ich die folgenden Ereignisse aber dennoch in aller Kürze wiedergeben. Der Si führte einen schnellen, geübten Schnitt durch die Kehle des armen, kämpfenden Tieres durch und das Blut begann zu spritzen. Währen das Tier immer noch wild um sich trat und erbärmliche Geräusche von sich gab entleerte sich die rote Flüssigkeit immer weiter über den Boden. Die Nan Xi begannen freudig grinsend sich nach dem Blut zu beugen und zuerst ihre Roben und dann ihre Gesichter damit einzureiben während der Si einen erneuten tiefen Gesang anstimmte. Die ganze Situation hatte mich zutiefst schockiert. Ich hatte mich nicht rühren können. Sobald ich wieder Kontrolle über meine Glieder hatte stürzte ich nach draußen und begann in die Nacht zu rennen. Ich schaute mich nicht einmal um, ob man mir folgte.

Den ganzen folgenden Tag habe ich gebraucht und das erlebte auch nur annähernd zu verarbeiten. Jetzt habe ich mich entschlossen ein Internetcafe aufzusuchen und diese Geschichte zu teilen. Einige Tische weiter sitzt ein Kerl, von dem ich mir nicht sicher bin, ob er nicht bei der Zeremonie anwesend war. Ständig starrt er zu mir herüber. Ich werde diesen Eintrag nun beenden und Qamdo so schnell es geht verlassen. Ich habe an diesem Ort bereits mehr gesehen, als ich wollte.

Ankunft und erste Fahrt durch Tibet zum Hostle

Samstag, 02.11.2013

Hallo lieber Mitleser!

Nach einem anstrengenden Flug bin ich nun endlich in Tibet angekommen. Danke übrigens nochmal für meine Überraschungsabschiedsparty!

Der Flug verlief soweit echt gut. Großes Lob an Australia Airlines! 

Obwohl ich die ganze Nacht durchgefolgen bin, hat mich doch das Reisefieber gepackt und ich bin sofort gestartet um neue Eindrücke zu sammeln und möglichst viele Leute kennen zu lernen. Z.b. Sarius Marfei, der Taxifahrer hat mir gleich mal ein super Hostle empfohlen von dem aus ich jetzt hier den ersten Blogeintrag schreibe! Netter Kerl ! :)

Tibet ist bisher echt eindrucksvoll! Ich würde schon sagen es ist ein gewisser Kulturschock vorhanden. Es ist einfach alles anders. Die humanitäre Versorgung, und die Lebensweise der Menschen hier beeindruckt mich wirklich. Man bekommt einfach einen anderen Blick auf die Dinge. 

Aber jetzt muss ich nach der langen Reise echt mal schlafen! Morgen gibt es die ersten Bilder auf dem Blog. Auf Facebook seht ihr schon erste Eindrücke!

 

In diesem Sinne gute Nacht und bis demnächst! :)

Bald geht es los

Samstag, 02.11.2013

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.